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Allianz für mehr Tempo bei digitalen Ideen

Die aktive Start-up Szene innerhalb der Pflegewirtschaft hat viel dazu gelernt und zeigt sich zunehmend selbstbewusst. Sie schließen sich zusammen, um die Digitalisierung voranzutreiben und passen ihre Geschäftsmodelle an die besonderen Anforderungen der Branche an.

Die Umsetzung von innovativen Ideen für den Wachstumsmarkt Pflege ist eng gekoppelt an eine sichere und rechtskonforme Erfassung von Daten. Auf der einen Seite werden vielfältige Informationen benötigt, um Prozessverbesserungen im Pflegealltag zu erreichen. Auf der anderen Seite ist die Sensibilität, was den Umgang mit Stammdaten angeht, sehr hoch. Und je ausgeprägter der Digitalisierungsgrad der bereits entwickelten Lösungen ist, desto größer wird auch die Notwendigkeit, bewohnerindividuelle Daten zu erfassen. Im Pflegealltag trifft das auf vielfältige Probleme. Es zeigt sich immer deutlicher, dass das Grundverständnis, was die Digitalisierung konkret für die Pflegewirtschaft bedeutet, kontrovers diskutiert wird. Darum haben sich einige der jungen Unternehmen aufgemacht und entwickeln neue Perspektiven. Christoph Gukelberger, Gründer und Geschäftsführer von Bringliesel, fasst die Herausforderungen für sich und seine Start-up-Kollegen zusammen: „Auf der strategischen Unternehmensebene findet Digitalisierung aktiv statt. Was aber die reale Umsetzung angeht, stehen wir immer noch am Anfang“, so Gukelberger. „Erst wenn neue, digitale Lösungen im Arbeitsalltag der Menschen tatsächlich gelebt werden, können wir das Potenzial dieser Lösungen ausschöpfen.“ Das sei die wichtigste und zugleich aktuell immer am meisten unterschätzte Herausforderung beim Thema Digitalisierung.

Um das zu beschleunigen hat sich nun eine Initiative aus dem Kreis einiger etablierter Start-up Unternehmen gegründet, die innovative Lösungen für die Pflegewirtschaft entwickeln und Digitalisierungsprozesse beschleunigen wollen. Care for Innovation heißt das Bündnis, das aus elf Unternehmen aus dem Pflege- und Gesundheitsmarkt besteht.
Innovationen in der Pflege müssen gemeinsam gedacht und umgesetzt werden, so das Credo der Unternehmer rund um Gukelberger. Ihm zur Seite stehen Judith Ebel von Super Nurse, Steffen Preuß von Icho Systems und Thomas Bade vom Institut für Universal Design. Durch langjährige Erfahrung in der Branche, bringen sie die nötigen Kenntnisse mit, um mit dem Bündnis Care for Innovation weitere Profis der Pflege, Verbände, Studierende und gründungswillige Unternehmen zu gewinnen.

Um diese Ziele durchzusetzen, sucht man die Nähe zur Wissenschaft und hat mit dem Hochschulverbund Rhein-Waal einen Partner gefunden, der für den nötigen Forschungsunterbau sorgen soll. Außerdem erhofft man sich Fördermöglichkeiten für weitere Innovationsprojekte zum Wohl der Pflegewirtschaft und zur Erreichung der eigenen wirtschaftlichen Ziele.

Eine erste gemeinsame Veranstaltung soll die Plattform dafür sein: Am 29. und 30. November 2019 findet unter dem Motto „Take Care in Kleve“ ein Forum zur Weiterentwicklung von innovativen Geschäftsideen für die Pflege statt. CARE Invest wird die Initiative als Medienpartner begleiten. Dr. Katja Neubauer, Chief Digital Offi cer für den Verlagsbereich Altenhilfe im Vincentz Network, wird die Keynote sprechen.

Technik im Hintergrund lassen

Ein Gespräch mit Nico Jäschen, Geschäftsführer des Start-ups Bringliesel über die Notwendgkeit Geschäftsmodelle permanent an die Marktgegebenheiten anzupassen und den Gang durch die Instanzen großer Unternehmen der Pflegebranche.

Müssen Innovationen eigentlich immer digital sein?

Die Kunst liegt darin, die Technik so weit wie möglich unsichtbar zu machen. Bei uns können Pflegepersonal und Bewohner ihre Bestellprozesse noch im Sinne der bekannten „alten analogen Welt“ mit
ausgedruckten Formularen und Auswahllisten abwickeln. Alles was danach kommt, läuft digital im Hintergrund ab.

Mit Ihrer Geschäftsidee erfüllen Sie individuelle Wünsche der Bewohner nach Dingen des täglichen Bedarfs. Wie ist diese Idee angekommen?

Durchweg sehr gut. Mit unserem Serviceangebot schaffen wir mehr Zeit für die eigentliche Kernaufgabe des Personals: die Pflege. Der Moment des Überreichens der persönlichen Bestellung an den Bewohner bleibt beim betreuenden Mitarbeiter und ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Wen galt es von der Idee zu überzeugen?

Zunächst sprechen wir mit dem Einkauf, auch wenn wir im eigentlichen Sinn kein klassischer Lieferant sind. Es kostet uns immer erst etwas Überzeugungsarbeit, bis die Unternehmen erkennen,
dass wir ja in keine direkte Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen einsteigen. Unser Kunde ist der Bewohner.

Und dann?

Dann landen wir im Geschäftsbereich der sozialen Betreuung und des Qualitätsmanagements. Die individuelle Bewohnerbetreuung liegt eben genau dort. Und wenn uns erst die Marketingabteilung entdeckt hat und unsere Idee fördert, spielt der Einkauf eine eher untergeordnete Rolle.

Ist das bei allen Betreibern so?

Es gibt da schon eklatante Unterschiede. Wir sind froh, dass wir zunächst mit kleineren Betreibern gestartet sind. Im Rückblick können wir sogar sagen, dass diese Betreiber die Steigbügelhalter für unseren Gesamterfolg waren.

Das müssen Sie etwas genauer erklären.

Wir haben in vielen Gesprächen Rückendeckung für die Richtigkeit unserer Serviceleistung erhalten. Das hat uns auf die Gespräche mit den großen Betreibern vorbereitet. Als wir beweisen konnten, dass wir durchaus auch größere Volumen stemmen können, war es für uns leichter die Konzernzentralen von unserer Leistungsfähigkeit zu überzeugen.

Heißt das, die Unternehmensgröße ist nicht unbedingt ein Vorteil?

Richtig. Selbst wenn man einen der großen Anbieter nicht auf Anhieb gewinnt, hat der Markt noch ausreichend Potenzial, um sich erfolgreich für uns zu entwickeln. Es gibt noch genug Kunden, die den von uns entwickelten Servicegedanken schätzen und zum Vorteil ihrer Bewohner nutzen wollen.

Sie arbeiten aber dennoch mit den großen Trägern zusammen, oder ?

Natürlich. Für uns ist die Mischung entscheidend. Wenn man, wie wir, schon mal 500 Einrichtungen deutschlandweit beliefert, dann kann man auch mit einem zentralgesteuerten Unternehmen,
das 200 Anschlusshäuser hat, verhandeln. Da haben wir mittlerweile das dafür notwendige Selbstvertrauen entwickelt.

Nach zwei Jahren am Markt, was sind die zentralen Erkenntnisse?

Wir haben unser Geschäftsmodell immer wieder an die Gegebenheiten des Marktes anpassen müssen. Innerhalb der einzelnen Trägerorganisationen sind die Strukturen sehr heterogen. Gerade bei den großen Playern. Manchmal konnte man uns in der Zentrale keine Zusage für die einzelnen Einrichtungen machen. Somit war das Ausrollen unseres Angebots manchmal recht schwierig.

CAR€ Invest, Ausgabe Nr. 15/ 16, 19.07.2019

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